Von der Tour-de-France zum Cargo Bike: Simon Geschke und sein Load
10.03.2026 | People & Society
Der ehemalige Radprofi und Tour-de-France-Etappensieger Simon Geschke ist schon 2012 von Berlin in die Fahrradstadt Freiburg gezogen. Direkt nach seinem Karriereende vor zwei Jahren hat er sich ein Lastenrad gekauft. Das Riese & Müller Load ist im Alltag sein ständiger Begleiter.
Ein Lastenrad ist in Freiburg sehr praktisch
Hallo Simon, hast du schon während deiner aktiven Karriere das Fahrrad im Alltag genutzt?
Ehrlich gesagt war ich immer ein bisschen faul und ich bin auch oft mit dem Motorroller gefahren. Ich hab ja genug Trainings- und Rennkilometer mit dem Fahrrad gemacht (lacht). Aber dass die Bedingungen zum Radfahren hier optimal sind, ist mir sofort aufgefallen. Es gibt zum Beispiel einen Radweg, der durch die ganze Stadt am Fluss entlangführt, das ist schon extrem cool. Beim Training war das immer super easy – ich konnte einfach auf dem Radweg durch die Stadt rausfahren und musste kaum bremsen.
Und wie sieht das heute aus?
Wenn man das nicht mehr beruflich macht, also jeden Tag im Sattel sitzt, hat man in der Freizeit und im Alltag wieder viel mehr Lust zu fahren. Ich habe jetzt auch mein Stadtrad ein bisschen gepimpt und mache deutlich mehr mit dem Fahrrad, vor allem seit ich das Lastenrad habe. Einfach, weil es in Freiburg so praktisch ist damit. Die Einsatzmöglichkeiten sind wirklich groß.
Von Weihnachtsbaum bis Beistellbett – die Ladung immer im Blick
Was transportierst du denn alles mit deinem Load?
Wir haben eine Garage, die ein bisschen weiter weg ist. Und fast alle Sachen, die wir dort lagern und zuhause brauchen beziehungsweise wieder zurückbringen, transportiere ich mit dem Cargo Bike. Zum Beispiel die ganzen Babysachen, das Beistellbett, einen Plastikweihnachtsbaum, den Heckträger fürs Auto – also wirklich große und schwere Dinge. Das spart auch Zeit, denn ich packe einfach alles vorne in die Kiste, fahre los und habe die Ladung schön im Blick. Es gibt eigentlich nichts, was ich nicht mit dem Lastenrad mache. Ich fahre damit auch unseren Hund zum Tierarzt. Und als meine Frau im Krankenhaus war, kurz vor der Geburt unserer Tochter, bin ich mit dem Lastenrad mit ihm vorne drin hingefahren und habe sie besucht.
Der Hund liebt es, vorne mitzufahren
Euer Hund fährt also gerne mit?
Ja. Vorher hatten wir einen Anhänger für ihn und das hat er gehasst. Vielleicht, weil er da nichts sehen konnte. Man hatte echt ein schlechtes Gewissen, wenn man mit ihm durch die Stadt gefahren ist, weil er da so geheult hat. Aber ihm tat ja nix weh und wir mussten irgendwie von A nach B kommen. Mit dem Lastenrad war das von Anfang an gar kein Problem. Zuerst war er ein bisschen aufgeregt, aber inzwischen liebt er es. Im Winter nutzen wir das Regenverdeck, damit er nicht dem kalten Fahrtwind ausgesetzt ist. Wir können mit ihm überall hinfahren, das ist echt cool.
Und demnächst nutzt Ihr das Load auch zum Kindertransport?
Genau. Unsere Tochter ist mittlerweile etwas über ein Jahr alt und kann richtig sitzen, den Kopf gut halten und dann kann sie auch im Lastenrad mitfahren. Wir haben es bislang noch nicht gemacht, weil das Wetter so schlecht war. Aber jetzt wird es langsam wieder wärmer und wir machen auf jeden Fall ein paar schöne Ausflüge zusammen.
Anderes Fahrgefühl, neue Freiheit
Du kommst vom Straßenradsport und warst viele Jahre auf sehr agilen und extrem leichten Rädern unterwegs. Hattest du Schwierigkeiten bei der Umstellung aufs Cargo Bike?
Klar, das ist schon ein sehr anderes Fahrgefühl als ein Rennrad, logischerweise. Aber ein Rennrad fährt sich jetzt auch nicht so schön. Es ist sehr steif und super direkt und wenn man irgendwo auf ein bisschen Sand kommt, rutscht man eigentlich sofort weg. Das Load erinnert mich mehr ans Mountainbike. Und das gefällt mir. Privat fahre ich inzwischen mehr Enduro-Mountainbike als Rennrad. Die größte Umstellung für mich war die Länge und dass man einen anderen Lenkwinkel und großen Wendekreis hat. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.
Hat sich Freiburg in den letzten zehn Jahren für Radfahrerinnen und Radfahrer verändert?
Freiburg war immer eine fahrradfreundliche Stadt. Was auffällig ist: Immer, wenn irgendwelche Maßnahmen getroffen werden, zum Beispiel wenn eine Straße neu gemacht wird, achtet man extrem drauf, dass der Radverkehr Vorrang hat. Es gibt viele Fahrradstraßen und man fühlt sich einfach sehr sicher in Freiburg auf dem Rad. Außerdem ist das Fahrradnetz wirklich super, das kann man nicht anders sagen.
Eine Alternative zum Auto schaffen
Was würdest du dir von Politik und Verwaltung zur Entwicklung des Radverkehrs wünschen?
Das Auto ist sehr dominant in Deutschland und ich finde, es wird relativ wenig gemacht, um Leuten eine Alternative zum Auto zu schaffen. Man muss es hinkriegen, dass sich Menschen in allen Städten auf dem Rad sicher fühlen, das ist das A und O.
Vermisst du den Profi-Radsport?
Gewisse Aspekte vermisse ich, aber die Liste mit Dingen, die ich nicht vermisse, die ist ein bisschen länger. Es war auf der einen Seite ein sehr hartes Business, aber auf der anderen Seite ein schöner Lebensstil. Man konnte sich den Tag frei einteilen – das Wichtigste war einfach nur, dass du Radfahren gehst. Aber im Winter habe ich es dann genauso gehasst. Die großen Rennen verfolge ich natürlich, und ich bin auch gern vor Ort, und war letztes Jahr für die ARD und für Eurosport als Experte unterwegs.
Was war dein schönster Moment als Profi?
Der Tour-Etappensieg wird immer mein Karriere-Highlight bleiben. An dem Tag habe ich mich wie der König der Welt gefühlt. Das ist das, wovon man als Kind träumt.
Danke für das nette Gespräch.
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Simon Geschke ist gebürtiger Berliner und lebt seit 14 Jahren in Freiburg. Er war als Radprofi zuletzt beim Team Cofidis unter Vertrag. Zu seinen wichtigsten Siegen gehört eine Bergetappe der Tour de France 2015 und der Gewinn der Bergwertung der Polenrundfahrt. 2022 trug er zehn Tage lang das berühmte Bergtrikot der Tour de France – länger als jeder andere deutsche Sportler – am Ende lag nur Gesamtsieger Jonas Vingegaard in der Bergwertung vor ihm. Nach der Saison 2024 beendete er seine Karriere.